Das Verhalten der Kinder scheint wie ein Hilfeschrei

D’Verhalen vun de Kanner

Famill.lu: Mir héieren vun alle Säiten, dass d’Kanner midd sinn, dass d’Zuel vun den verhalensopfällege Kanner an d’Luucht geet, dass d’Educateuren, d’Schoulmeeschteren net méi kënnen … wat sinn di Haaptuursaachen?

Jutta Lux-Hennecke: Das Verhalten der Kinder scheint wie ein Hilfeschrei: Wer fragt nach den wirklichen Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen? Diesen Bedürfnissen muss von Geburt an Rechnung getragen werden. Bindung vor Bildung! Es gibt nicht ohne Grund in anderen europäischen Ländern ein Verbot der Unterbringung von Kindern unter einem Jahr in Betreuungsstrukturen oder die finanzielle Unterstützung von jungen Eltern, die ihre Kinder während der ersten drei Jahre selbst betreuen.

Erst wenn sich Wurzeln gebildet haben, können Flügel wachsen…. Kleinkinder brauchen ihre Eltern als ständige Bezugspersonen, Verlässlichkeit, Halt und Orientierung. Eltern sind die ersten Erzieher ihrer Kinder und sollten ihre Verantwortung übernehmen. Es kostet aber Zeit, um sichere Bindungen aufzubauen und Kinder durch Beziehung stark zu machen. Wichtig auf dem Weg zur Selbstständigkeit, sind die emotionale Unterstützung und Begleitung. Kinder lernen durch Emotionen. Diese grundlegenden Erkenntnisse werden von unserer Gesellschaft völlig ignoriert. Welches Kleinkind kann sich heute noch nach seinem ihm eigenen Rhythmus entwickeln? Das geht nur zuhause im geschützten, störungsfreien Umfeld. Unseren Kindern werden teilweise « 12-Stunden-Arbeitstage« , oft mit wechselndem Umfeld (Crèche-Maison relais-Précoce-Schule) zugemutet, die kein Erwachsener aushalten würde. Stress bei den Kindern, Stress bei den Erwachsenen, Stress im Beruf, Stress überall in unserer Gesellschaft. Darunter leiden nicht nur die Kinder, sondern das ganze Familienleben gestaltet sich immer schwieriger. Phasen von Ruhe und Langeweile zur Entfaltung von Kreativität, Kommunikation und Sprachförderung durch die Eltern vor Schulbeginn, klingen wie Fremdwörter im Zeitalter der Überforderung. Wenn man den Eltern die Wahl lassen und alle Familienmodelle gleichwertig unterstützen würde, würde sich der Betreuungsschlüssel in den Strukturen auch zugunsten der Kinder verbessern, deren Eltern sich für die Fremdbetreuung entscheiden.

Famill.lu: Wann ëmmer méi Kanner es schonn, a klenge Joeren, genuch hunn, wat fir Konsequenzen huet dat fir hir Zukunft a vir d’Zukunft vun der Gesellschaft? Wat ass Är Meenung dozou?

Jutta Lux-Hennecke: In der Kinder-und Jugendzeit wird die Basis gelegt für den späteren Lebensweg, damit auch für die Zukunft der Gesellschaft. Es gilt, die Ursachen für die heutigen Probleme zu finden und entsprechend umzudenken. Der Zusammenhalt, das « Wir »-Gefühl muss verbessert werden. Man kann nicht alle Bevölkerungsgruppen in « eigene » Schubladen stecken.

Eine jugendliche Generation, die zu nichts mehr zu motivieren ist, führt zu einer kranken Gesellschaft, mal abgesehen von den Kosten, die damit verbunden sind. Kinder und Jugendliche brauchen Vorbilder, Halt und Orientierung. Die Erwachsenen haben es in der Hand. Nur die Jagd nach dem eigenen Vorteil und Vergnügen führt in noch mehr Isolation und Selbstmordgefahr. Welche Werte wollen wir leben? Da ist jeder Einzelne von uns gefordert. Eine Rückbesinnung auf das Wesentliche und das Mitmenschliche wäre angebracht.

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