Séance académique, vum 40. Anniversaire de la Vie naissante,  28. Februar 2015

Séance académique, vum 40. Anniversaire de la Vie naissante, 28. Februar 2015

« Vie naissante », im Wandel der Zeit

Durch die Legalisierung der Abtreibung in den siebziger Jahren ist eingetreten, wovor damals die Lebensschutzorganisationen gewarnt hatten: was gesetzlich erlaubt ist, ist auch moralisch vertretbar. In der Spaßgesellschaft hat die massive Verbreitung von Verhütungsmitteln die Abtreibung als eine Art Plan B  erscheinen lassen, sozusagen ein Service après vente .

Damals hat allerdings niemand geahnt, dass, wie jetzt in Frankreich, den Abtreibungsgegnern das Recht abgesprochen wird, Frauen zu ermutigen, ihr Kind auszutragen. Aus der Toleranz bei Notlagen, wie sie von Simone Veil beansprucht wurde, ist ein « Recht auf Abtreibung » geworden.

Gottseidank ist dieses vermeintliche Recht in keiner Menschenrechtserklärung festgeschrieben worden, wie dem hervorragenden Werk von Grégor Puppinck « Droit et prévention de l’avortement en Europe » (LEH Edition, 2016) zu entnehmen ist.

Es ist heute sehr viel einfacher, sich dem Tierschutz zu verschreiben, als sich für das Recht auf Leben des noch nicht geborenen Menschen einzusetzen.

Hierfür sind ideologische Hintergründe, wie etwa Malthusianismus, Individualismus, Materialismus, Feminismus, Eugenismus, usw., nicht die einzige Erklärung. Gegen diese Strömungen kann man sich intellektuell trefflich, wenn auch zumeist erfolglos, zur Wehr setzen.

Die Hauptschwierigkeit wurzelt in der Tatsache, dass in Westeuropa jede fünfte bis vierte Frau (in manchen Ländern geht von jeder dritten Frau die Rede) in ihrem Leben abgetrieben hat.

Seit dem Coming out von prominenten Frauen im « Stern » oder im « Nouvel Observateur », Anfang der siebziger Jahre, gibt es auch heute noch etliche, die durchaus darüber reden, um das « Recht auf Abtreibung » zu verteidigen. Andere hingegen treten in die Öffentlichkeit, um den Eingriff zutiefst zu bedauern, oft mit dem Vorwurf verbunden, unzureichend über die möglichen körperlichen und seelischen Folgen informiert worden zu sein. Manche militieren in der « pro-life » Bewegung, um mahnend Zeugnis abzulegen. In den USA ist die Konvertitin Norma McCorvey (alias Jane Roe) das bekannteste Beispiel (siehe Internet).

Sehr viele aber, wohl die meisten, wollen oder können nicht darüber reden. Sie alle leben in unserer Mitte.

Somit haben sowohl die Befürworter als auch die Gegner der Abtreibung ein Problem.

Erstere stützen sich auf Frauen, die vorbehaltlos abgetrieben haben, und fast stolz bekunden, dass dies die richtige Lösung gewesen sei. Dass bei anderen Frauen sich früher oder später Unbehagen, Gewissensnot oder Schuldgefühle melden, die gar zu Depressionen führen können, davon wollen sie nichts wissen. Was nicht zur Ideologie passt, darf nicht sein. « On n’a pas le droit au mensonge », so die französische Ex-Gesundheitsministerin Rossignol, um die Schließung von « pro-life » Beratungsseiten im Internet zu rechtfertigen. Diese extreme, ggf., mit Gefängnisstrafen verbundende Maßnahme, welche sowohl erwiesene Tatsachen missachtet als auch gegen die Meinungsfreiheit verstößt, offenbart die Sackgasse, in die das sogenannte « pro-choice » Lager sich hineinmanövriert hat. Sie entspringt der Überzeugung, dass postabortive Syndrome allenfalls nicht durch die Abtreibung selbst, sondern durch den erhobenen Zeigefinger der Abtreibungsgegner verursacht werden.

Diese haben aber auch ein Problem. In ihren Gründerjahren bezeichnete beispielsweise « Vie Naissante » die Abtreibung als ein « abscheuliches Verbrechen » an wehrlosen und unschuldigen ungeborenen Kindern. Folglich sollte letztere für die Frau und den Arzt unter Strafe gestellt bleiben, außer das Leben der Frau sei bedroht. In anderen Fällen (Vergewaltigung, schlimme Notlagen…) könnten mildernde Umstände geltend gemacht werden. Das war auch die Philosophie des Gesetzesvorschlags der CSV 1978. In Ländern wie Polen, der Slowakei oder Kroatien ist diese Sichtweise immer noch (oder schon wieder, bedenkt man, dass unter dem Kommunismus Abtreibung erlaubt war) sehr aktuell.

In Westeuropa hingegen ist mittlerweile das Konzept der Beratung und die Hilfestellung bei ungewollten Schwangerschaften in den Mittelpunkt gerückt. Auch und gerade in der Praxis der gemäßigten Lebensschutzorganisationen, die die strenge, verurteilende Haltung stillschweigend aufgegeben haben. Die Tat an sich wird zwar noch verurteilt, nicht aber die betroffene Frau. Immerhin wird Beratung auch Frauen angeboten, die abgetrieben haben.

Dieses Modell ist hauptsächlich von Deutschland ausgegangen. Hier gilt Abtreibung als Unrecht, wird aber in den ersten 12 Wochen der Schwangerschaft toleriert, sofern die Frau sich einer psycho-sozialen Beratung unterzogen hat. Zwar sollte die Beratung eine Entscheidung für das Leben begünstigen, die Frau ist aber frei, selbst zu entscheiden. Neben den staatlich anerkannten Beratungsstellen, die den erforderlichen Schein ausstellen, bieten auch unabhängige Lebensschutzdienststellen neben vorbeugender Sensibilisierung ihre eigene Beratung an.

In Luxemburg ist die 2012 eingeführte Pflichtberatung bereits 2014 wieder abgeschafft worden.

Die Vereinigung für den Schutz des ungeborenen Lebens « Vie Naissante » trägt in dieser Situation eine große Verantwortung. Derweil das staatlich stark gefördete Planning Familial, welches der vorherrschenden Doxa zufolge die Tragik einer Abtreibung leugnet oder herunterspielt, und die Zahl der Abtreibungen trotz Verhütungsmöglichkeiten immer noch erschreckend hoch ist (schätzungsweise 1300 bis 1500 im Jahr), obliegt der « Vie Naissante » die delikate Aufgabe, nichts unversucht zu lassen, um den Schritt zur Tötung ungeborenen Lebens zu vehindern, ohne dabei Menschen seelisch zu verletzen.

Auf der politischen Ebene bringt die « Vie Naissante » sich ggf. mit kritischen Gutachten oder Presseartikeln ein, hat dabei aber einen eher geringen Einfluss.

Weit wichtiger sind ihre konkreten, positiven Angebote.

Dazu gehören zunächst Erziehung und Vorbeugung. In Zusammenarbeit mit dem CLER Amour et Famille und TeenSTAR steht « Vie Naissante » den Sekundarschulen zur Aufklärung der Jugendlichen über Fragen zu Freundschaft, Liebe und Sexualität zur Verfügung. Die Nachfrage ist z.Z. allerdings noch bescheiden.

Ferner können Frauen, die mit einer ungewollten oder schwierigen Schwangerschaft konfrontiert sind, über eine Hotline (allerdings nicht im Internet) auf ein pluridisziplinares Beratungsteam zurückgreifen, und zwar gratis und absolut vertraulich.

Die tatkräftigste Aktion der « Vie Naissante » ist nach wie vor die Hilfestellung. So werden Kleider und allerlei Babyzubehör gesammelt, welche in der Kleiderstube an unbemittelte Mütter und Familien auf Antrag unserer Sozialarbeiterinnen weiter gereicht werden. Auch Gutscheine für Windeln und Pudermilch, sowie gelegentliche Wohnungsbeihilfe finanziert « Vie Naissante » über diesen Weg.

Da alle Mitarbeiter ehrenamtlich arbeiten, sind die Verwaltungskosten gering.

Um ihre Unabhängigkeit zu wahren, hat « Vie Naissante » bis jetzt von einer staatlichen Konventionierung abgesehen. Das bedeutet, dass die Vereinigung ausschliesslich auf – steuerlich absetzbare – Spenden angewiesen ist.

Schlussbetrachtung

In der Abtreibungsproblematik ist die Gesellschaft seit Jahrzehnten tief, ja unüberbrückbar gespalten. Einerseits pochen die Abtreibungsbefürworter auf das Recht für die Frauen, im Rahmen der Privatsphäre ihre eigene Entscheidung zu treffen, selbst wenn diese zum Tod des kleinen, wachsenden Menschen führt. Der Embryo wird eben nicht als Mensch, sondern als Zellklumpen wahrgenommen. Der Slogan « Si je veux » oder « Mein Bauch gehört mir » spricht Bände.

Auf der anderen Seite unterstreichen die Abtreibungsgegner, dass das Leben wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge bei der Befruchtung beginnt, und es keinen anderen Moment in der Entwicklung, weder vor noch nach der Geburt, gibt, wo man von der Menschwerdung reden könnte. Die Frist von 10, 12 oder 20 Wochen ist demnach willkürlich. Für sie ist die Würde des Menschen im Prinzip unantastbar. Ihr Slogan würde also lauten : « Mein Bauch gehört dir ».

Es gilt also, auf der internationalen Ebene wachsam zu bleiben, damit auch in Zukunft Werke wie « Vie Naissante » sich weiterhin für das Leben und letztlich auch für die Frauen und die allzu oft vergessenen Männer einsetzen können.

André Grosbusch

Präsident der « Œuvre pour la Protection de la Vie Naissante » asbl

www.vienaissante.lu

28, Dernier Sol

L-2543 Luxembourg

Tel. 44 44 40

Hotline : 621 546 784

info@vienaissante.lu

ccpl LU 97 1111 0000 3737 0000

 

 

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