Die Regierung hat alle Modelle gleichwertig zu unterstützen

Die Regierung hat alle Modelle gleichwertig zu unterstützen

Di wäertvollst Aufgab

Exclusiivt Interview mam Jutta Lux-Hennecke, Präsidentin der FAPEL

Famill.lu: Wat ass Ären Appel un d’Regierung, un d’Elteren, un d’Gesellschaft, fir dass jiddwereen kéint mathëllefen, dass d’Kanner sech ënner deene beschten Konditiounen kënnen entwéckelen?

Jutta Lux-Hennecke: Die Regierung hat alle Familienmodelle gleichwertig zu unterstützen und den Familien die Wahl zu überlassen, wie sie Familienleben, Kindererziehung und Beruf organisieren möchten. Gesetze zur Absicherung von Rentenansprüchen bei zeitweiligem Berufsausstieg der Eltern und Regelungen für bezahlbaren Wohnraum wären hilfreich. Die Familie an sich sollte wieder wertgeschätzt werden.

Die Gesellschaft hat anzuerkennen, dass Kindererziehung eine wertvolle Arbeit ist, auch wenn die eigenen Eltern sie übernehmen. Junge Eltern sollten sich ihrer Verantwortung bewusst werden und über alle Facetten der Kindererziehung aufgeklärt werden.

Sozial benachteiligte Familien brauchen besondere Solidarität und Hilfestellungen. Familienbildungsstätten könnten z.B. die Betreuung solcher Familien sicherstellen. Der Betreuungsschlüssel in den Strukturen würde sich entscheidend verbessern, wenn die Eltern eine reelle Wahlmöglichkeit hätten und nicht alle Kinder fremd betreut werden müssten. Dies käme vor allem den Kindern zugute, deren Eltern auf die Strukturen angewiesen sind und würde dort die Qualität der Betreuung besser garantieren können.

Die Wirtschaft ist gefordert durch das Schaffen von flexibleren Arbeitszeiten und Wiedereinstiegsmöglichkeiten. Kindererziehung als Karrierechance! Bei vielen Betriebsmodellen ist eine Auszeit z.B. besser zu verkraften als eingeschränkte Arbeitszeiten. Dies gilt es abzuwägen. Ein Wiedereinstieg der Eltern in einen anderen als den gewohnten Arbeitsbereich, muss heute beim ständigen Wandel in der Arbeitswelt auch möglich ein. Die Lehrer sollten sich ebenso ihrer Verantwortung bewusst werden. Sie entscheiden über künftige Lebenswege der ihnen anvertrauten Kinder. Engagement und Einfühlungsvermögen sind neben Fachwissen gefordert.

Lernschwache und lernstarke Kinder sollten gleichermaßen gefördert werden. Eltern sollten sich Willkommen fühlen, wenn sie den Austausch suchen. Eine Zusammenarbeit ist unabdingbar.

Da Luxemburg ein Einwanderungsland ist, gilt es, die schnellstmögliche Integration zu fördern und aufzupassen, dass keine Parallel-Gesellschaften entstehen, die die soziale Kohäsion gefährden. Dafür braucht es klare Vorgaben, Aufklärung der Bevölkerung und die Vermeidung von Beliebigkeit. Man kann sich nicht allen Fremden anpassen, ihnen aber die erforderlichen Hilfestellungen geben. Solidarität der Gesellschaft ist gefragt genauso wie der Integrationswille der Ankömmlinge.

Hierbei spielt die luxemburgische Sprache eine grosse Rolle.

Famill.lu: Et ass e Paradoxe: d’Etude vun der Uni Lëtzebuerg weist ganz kloer, wéi wesentlech d’Ënnerstëtzung vun den Elteren fir hir Kanner ass. Mä, d’Ministèren encouragéien d’Elteren allen 2 schaffen ze goen: esou ass hir Zäit jo awer begrenzt.

Jutta Lux-Hennecke: Unsere Gesellschaft sollte endlich einmal realisieren, dass Kinder aufziehen eine Arbeit ist! Das kann man nicht mal eben so nebenbei machen. Und es ist auch gewusst, dass man nicht unbedingt zwei Aufgaben (Beruf und Kindererziehung) gleich gut erledigen kann, vor allem dann nicht, wenn beide Aufgaben einen ähnlichen, nicht unerheblichen Zeitaufwand beanspruchen.

Warum wird nur eine Vollzeit-Arbeitsstelle tatsächlich anerkannt und propagiert?

Weil nur die Ausübung einer solchen Tätigkeit Geld in die Staatskassen bringt: Steuern und Beiträge zur Sozial-und Rentenversicherung. Es geht gar nicht um die « Selbstverwirklichung«  der Frauen, es geht nur darum, möglichst viele Arbeitskräfte zu rekrutieren. Dabei stören Kinder mit ihren Bedürfnissen und sollen deshalb so früh wie möglich in Betreuungsstrukturen abgegeben werden.

Es konnte mir noch niemand erklären, warum eine Person, die sich in einer Betreuungsstruktur um Kinder kümmert, den gesellschaftlichen Ansprüchen genügt, aber wenn die eigenen Eltern dasselbe machen, wird es nicht anerkannt …. Es liegt halt nur am Arbeitsvertrag. Aber die Kosten, die von der Gesellschaft später aufgrund von gescheiterten Jugendlichen und kranken Erwachsenen aufgebracht werden müssen, werden nicht mitgezählt.

Damit den Eltern die Entscheidung zur Fremdbetreuung noch leichter fällt, wird dann mit extra Frühförderprogrammen gelockt, nur ändern die nichts an all den Schwierigkeiten bei einer « Massenbetreuung« .

Und nichts, an der Tatsache, dass alle Studien belegen, wie wichtig die eigenen Eltern für die Entwicklung ihrer Kinder sind.

Aber damit Eltern eben diese ihre Verantwortung übernehmen können, brauchen sie staatliche Unterstützung und Förderung und vor allem den notwendigen Zeitrahmen.

29.02.2016


Jutta Lux-Hennecke

verheiratet, 3 erwachsene Söhne, 2 Enkelkinder (2 Jahre 5 Monate und 3 Wochen alt);

Beruf: Diplomingenieur – Architektin, freiberuflich tätig;

während 10 Jahren Elternarbeit (bénévole) als Präsidentin einer Association des Parents d’élèves im Lycée;

seit 3 Jahren Präsidentin der FAPEL (luxemburgischer Dachverband der Elternvereinigungen und Elternvertreter, Fondamental und Secondaire);

Entscheidung zur Kindererziehung und bewusste Aufgabe einer leitenden Stellung im Beruf (da zeitlich nicht kompatibel) bei Geburt der Kinder:

« dies würde ich jederzeit wieder so machen. Bestätigung von meinen erwachsenen Söhnen« .

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