Rohe Formen von Aggression treten im männlichen Geschlecht sehr viel häufiger auf als im weiblichen. Das liegt daran, dass die Ausprägung der Geschlechter bereits im Fötalalter mithilfe von Geschlechtshormonen vor sich geht. Ein hohes Maß des männlichen Geschlechtshormons Testosteron befähigt zu mehr Verteidigungsmöglichkeit. (Die größere Freude schon der kleinen Jungen am Schießen zeigt das, z. B.). Das bedeutet nicht, dass auch seelisch gesunde Mädchen ein beißfreudiges ICH und die Möglichkeit zur Selbstverteidigung haben, aber östrogenbedingt zwischen dem 12. und 50. Lebensjahr in milderen, in weniger direkt sichtbaren Formen.

Je mehr also mit dem Menschen in der Kindheit unnatürlich umgegangen wird, umso mehr entsteht seelisches Ungleichgewicht, umso mehr entsteht unangemessener Umgang mit den Anderen, umso weniger Lebenserfolg, umso öfter Verzweiflung über sich selbst und mehr noch über die „bösen“ Anderen und führt zu immer mehr Verlust seines Selbstwertgefühls, zu immer mehr Ausweglosigkeit. Und umso leichter verfällt der Mensch dann auch Versuchungen zum direkt Bösen, zum absichtlichen Zerstören – schließlich sogar auch seiner selbst, ja, dann auch gar nicht einmal so selten – der verzweifelte Wunsch nach „Auslöschung des ganzen Unternehmens“, wie mir einmal ein junger Mann nach einem misslungenen Selbstmordversuch per „Autounfall“ gestand: Der eigenen Vernichtung und von „möglichst vielen“ anderen, im schrecklichsten Fall etwa durch einen Amoklauf.

Ja, in der medizinischen Forschung scheint sich jetzt sogar herauszustellen: Fehlt in solcher oft langjährigen, von Verzweiflung beherrschten Stimmung die Kraft z. B. zum Suizid, so können sich dann auf dem Boden der Ausweglosigkeit nicht nur Zwangsstörungen einstellen – wie wir sie schon lange als Folge von Aggressionshemmungen kennen – sondern sogar auch als Autoimmunkrankheiten bis zum Krebs.

Antidepressiva reichen in unserer Situation allein also als Therapie und erst recht nicht als Prävention aus, zumal das Störungspotenzial in unserer Gesellschaft bereits gefährlich groß ist.

Ich hoffe, dass diese Ausführungen deshalb ersichtlich gemacht haben:

Unangemessener Umgang mit dem aufkeimenden Lebenstrieb Aggression im Kindesalter kann zu Auswüchsen der Aggression führen – durch Vernachlässigen einer natürlichen empathischen Erziehung ebenso wie durch verkünstlichte Fehlerziehung.

Die Voraussetzung, durch Erziehung eine lebensnotwendige und gleichzeitig eine geordnete, Verteidigungsmöglichkeit im Ich des Herangewachsenen zu erreichen, verlangt deshalb nach einem Wissen über die Grundgegebenheiten der menschlichen Natur.

Allerdings gilt ein solches Postulat nur, solange eine Gesellschaft Kultivierung des Menschen anstrebt. Und dieses setzt das Bedürfnis nach Beachtung der Menschenwürde jedes einzelnen Menschen voraus, wie es zu den Grundprinzipien des Christentums gehört. Gesellschaften ohne diese Voraussetzungen werden krank – ja, nicht selten kriegerisch böse. Setzt sich gar ein aggressionskranker, rigider, sadistischer Diktator durch und kommt zur Macht, so zeigt sich, dass dieser keine Schwierigkeiten damit hat ihm „unliebsames Menschenmaterial“ in Massen umzubringen, wie wir das in der Geschichte immer wieder beobachten können.

 


D’Christa Meves ass den 4.03.1925 am schleswig-holsteinischen Neumünster gebuer. Si huet Philosophie, Geographie, Pädagogik an Psychologie studéiert. Zousätzlech huet se eng Ausbildung als Psychotherapeutin vir Kanner- a Jugendlecher gemaach. Si war bestuet mam Aendokter, Dr Harald Meves, deen 2003 gestuerwen ass. Si huet zwou Duechteren, sechs Enkelen an een Urenkel.

Si huet iwwer 120 Bicher geschriwwen an eng Onmass Artikelen, Essais an verschidden Zeitungen an Däitschland an an Éisträich publizéiert.

E puer vun hire Bicher:

Auf die Liebe kommt es an

Mut zum Erziehen: Seelische Gesundheit – wie können wir sie unseren Kindern vermitteln?

Dem Lernen einen Sinn geben

Erziehung zur Liebe usw..

De Site vum Christa Meves: http://www.christa-meves.eu/

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