Dësen Lieserbréif war e Samsdech, den 10. Februar 2018 am « Luxemburger Wort »

Plädoyer für mehr Politik im digitalen Rausch

Eugène Berger (DP), plädiert für mehr Medienkompetenz, sagt er. Was ist es? Welche Medien sind gemeint? Welche Kompetenzen? Welche Gesetze? Wer passt auf? Wer rettet die Menschen, die Kinder bei den ungeheuerlichen Grenzverletzungen, Betrügereien, menschenverachtenden kriminellen Machenschaften, die im Netz, über die connected-things, tagtäglich passieren? Wer steht für Humanismus ein? Das alles bleibt unerwähnt. Herr Berger stellt auch gute Fragen, streift pflichtschuldigst die dunklen Seiten der Digitalisierung; politische Antworten bleiben aus.

Er schwärmt von der Kommunikation mit der ganzen Welt. Unerwähnt bleiben die kommunizierenden Robots. Sie arbeiten meinungsbildend, mischen sich ein, betrügen. Sie sind kaum mehr zu enttarnen. #chance?

Digitale Abzocker rufen Menschen an; die rufen zurück, landen in automatischen Warteschleifen… und bezahlen verschämt die hohen Rechnungen. Kommunikation mit Servern in der ganzen Welt.

Digital Banking auf dem Vormarsch. Die wirtschaftlichen Schäden durch CyberKriminalität gehen in die Milliarden. #digitalChance für wen?

Babies trägt man körperfern, Smartphones hautnah. Smartphoning – in jeder Lebenslage. Kleinstkinder werden mit Youtube ruhiggestellt. Kinder laden barrierefrei Spiele runter; ungewollte Umleitungen auf Sexseiten gelten als Betriebsunfall. Precoce-Kinder „spielen“ brutalste Gewaltspiele – Resident Evil, Call of Duty… Herr Berger sponsert Schulprojekte.

Die wissenschaftlich nachgewiesenen Frühschädigungen der kindlichen Gehirne und Persönlichkeiten durch ungezügelte Nutzung digitaler Medien vom Babyalter an bleiben politisch nahezu undiskutiert. Alkohol für Minderjährige ist wegen der Gesundheitsgefahren verboten; Smartphones machen Karriere als Babysitter.

Politische Regulierung, Eindämmung der invasiven Übernahme unserer Freiheits- und Menschenrechte durchs Digitale? Aber nicht doch. Die deutsche FDP muss dafür herhalten, Luxemburger Politik zu erklären: „Digital First, Bedenken Second“! Herr Berger übersieht bewußt, dass Herrn Lindner aus der Opposition heraus lärmte; und dass es dabei blieb. Bedenken kommt von Denken. Das ist wohl Sand im globalen BIG-DATA-Wirtschaftgetriebe, aber es kann Menschenleben retten. Und unsere Demokratie.

Denkende Menschen sind weniger digital euphorisch. Es fällt ihnen manches auf, was die Macher der IT-Superprodukte gern verbergen. Nach dem Motto Wer nicht mitmacht, fliegt raus erzwingen die digitalen Nutzungsbedingungen stromlinienförmiges Schwarmverhalten und klauen unsere Daten zum Nulltarif. Dem Einzelnen bleibt wenig Spielraum in der Moderne, wenn der Staat sich auf Zulieferer-Status zurückzieht und seinen Gestaltungsauftrag allein der Steigerung seines Bruttosozialprodukts widmet.

Die grossen Vier – Amazon, Google, Facebook und Apple – und die kleineren Vielen – App, Chip- und IT-Dinge-Hersteller – sichern sich gegen mündige BürgerInnen ab. DIE – beherrschen das. Die BürgerInnen aber, sie können sich gegen Monopolisierung, Digitalisierung, Vereinnahmung ihrer Menschenrechte, Ausverkauf ihrer Privatsphäre, Entmündigung durch „intelligente Maschinen“, Machtmissbrauch und Zerstörung ihrer Lebenswelten alleine nicht absichern.

Die Politik ist nicht nur zu langsam, sie ist einfach gar nicht da – bei diesen Themen. Digitalbegeisterte Politiker lieben die Idee der volldigitalen Welt; die Übrigen wirken nahezu versteinert.

Die Risiken der digitalen Revolution sollen die „souveränen, mündigen und informierten“ BürgerInnen allein managen. Den Kindern bietet man über Schulprogramme frühzeitig digitale Medienerziehung; dann wird es schon gut gehen. Die Lehrer sind ja dafür ausgebildet. Oder?

#digital Chance – die grösste politische Herausforderung unserer Zeit.

Petra Stober, Gemeinde Rammerich

12.02.18

0 0 0 0 0

Laisser un commentaire

Votre adresse de messagerie ne sera pas publiée. Les champs obligatoires sont indiqués avec *