Zäit hunn fir d'KannerDe Lieserbréif vum Cecilija Lanovic war am Wort, den 29. November 2017

Vogel-Strauβ-Politik und die Verantwortung der Eltern

Die Lage hinsichtlich Disziplinarproblemen an Luxemburgs Lyzeen und Sekundarschulen sei absolut nicht dramatisch, hieβ es neulich in den Medien, als das Thema in der zuständigen Kammer auf Anfrage besprochen wurde. Ein LSAP-Abgeordneter betonte sogar vor den RTL-Kameras, wie wichtig es sei, dass klargestellt werden könne, dass die Moral der Gesellschaft nicht gefährdet wäre. Alles in Allem wurde ein sehr zufriedenstellendes Bild der Gegebenheiten in den Bildungsinstitutionen dargelegt, und ein rezenter Vorfall, bei dem es sich um Gewaltanwendung gegen eine Lehrkraft handelte, sei vor allem künstlich hochgestapelt worden. Die Anzahl der Einberufung der Disziplinarräte in den Ausbildungszentren sei insgesamt gesunken.

Nun drängt sich mir als Mutter zweier Kinder die Frage auf: Leben diese Politiker tatsächlich so fernab der Alltagsrealität? Oder betreiben sie bewuβt eine Vogel-Strauβ-Politik und wollen die eigentliche Notlage nicht erkennen?

Dass weniger Disziplinarverfahren eingeleitet wurden kann nicht ernsthaft als Argument ausreichen, um einen Zustand zu beschönigen. Dass ein Phänomen nicht angesprochen wird, zeugt nicht von seiner Non-Existenz. Und gerade im Bereich der schulischen Gewalt liegt die Dunkelziffer ebenso hoch wie in anderen sensiblen Bereichen.

Die Problematik der Disziplinverstöβe im Schulalltag erstreckt sich aber nicht nur auf den Sekundarschulbereich, wenn auch einige spezifische Verhaltensmuster, wie unentschuldigte Schulabwesenheit eher dort angesiedelt sind. In meinem Bekanntenkreis, der vorwiegend aus Eltern eingeschulter Kinder besteht, ist es ein immer wieder aufkommendes Thema: Schon in der Grundschule ist eine groβe Gewaltbereitschaft unter den noch sehr jungen Kindern zu erkennen, die sich nicht nur gegen Mitschüler, sondern auch gegen Lehrkörper und weitere Akteure des schulischen Geschehens, wie beispielsweise Hausmeister und Schulbusfahrer, richtet. In manchen Klassen können Lehrer nur noch schwer dem Lehrauftrag gerecht werden, weil die Probleme erzieherischer Natur jegliche Zeit in Anspruch nehmen. Kraftausdrücke, Wutausbrüche und ständige verbale Störungen beherrschen das Klassengeschehen. Dies sind existierende Zustände, und sie totzuschweigen lassen sie nicht verschwinden. Notleidende sind nicht nur die Lehrer, sondern vor Allem die Kinder- diejenigen Kinder, deren Lernprozess dauernd durch das unangepasste Verhalten von Mitschülern gestört wird, aber auch jene Kinder, die es als normal ansehen, einem Erwachsenen zu widersprechen, den eigenen Willen notfalls mit Gewalt durchzusetzen, das Wort „Nein“ nicht ertragen…

Das Phänomen des katastrophalen Benehmens mancher Kinder kann aber nur im gesamtgesellschaftlichen Kontext betrachtet werden. Es erstreckt sich nämlich auf alle Lebensbereiche und ist nicht nur in der Schule vorzufinden. Im öffentlichen Transport, im Supermarkt, im Speiselokal… es ist kaum erträglich, zuzuhören, wie manche Kinder und Jugendliche sich ausdrücken und das Personal behandeln. Und genau hier möchte ich das ansprechen, was ich in den gesamten Diskussionen rundum das Thema vermisst habe: Die Verantwortung der Eltern. Einen respektvollen Umgang mit den Mitmenschen muss ein Kind zuhause erlernen. Zuhause, im eigenen Elternhaus, nicht in einer Betreuungsstruktur oder in der Schule. Diese Einrichtungen haben andere Aufträge. Natürlich können und sollen sie ergänzend und unterstützend auf die Erziehung einwirken, doch diese sollte ihnen keineswegs vollständig überlassen werden.

Es wird höchste Zeit, dass die Gesellschaft umdenkt und die Gefahren erkennt, die sich über sie zu erstrecken drohen. Kinder sind die Zukunft. Wollen wir eine Zukunft, in der sich mit Fäusten durchgeschlagen wird? In der Kraftausdrücke zur Alltagssprache werden? In der Werte wie Respekt den anderen gegenüber vollständig verloren gehen?

Eltern, erzieht eure Kinder! Schickt sie erzogen in die Schule, damit der Lehrer sie unterrichten kann! Schickt sie erzogen in die Welt, damit sie zum Gedeihen einer sich positiv entwickelnden Gesellschaft beitragen können! Eure Kinder gehören eurer Verantwortung an, und jener müsst ihr euch stellen.

Politiker, seht den Tatsachen ins Auge!

Cecilija Lanovic

18.12.2017

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2 thoughts on “Vogel-Strauβ-Politik und die Verantwortung der Eltern

  • 21 décembre 2017 à 12 h 04 min
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    Wann d’Elteren zu zwee de ganzen Dag mussen schaffen, sinn si Owes och zimlech « kapott », wéi een esou seet, an dann ass d’Motivatioun, d’Kanner nach ze erzéien, relativ kleng… wat natierlech keng Excuse dierf sinn. Vill Leit iwwerléen sech net am Viraus, wat et bedeit, e Kand ze hunn an ze erzéien. Si verloossen sech dann bei der Erzéiung op aner Leit, denen hir Aufgab et awer net ass. De Schoulmeeschter soll mat de Kanner léieren, se net mussen erzéien.
    An den Crèchen an an de Foyeren kommen d’Kanner einfach net zur Rou.. .och wann d’Personal sech Méi gëtt. Streidereien, déi an der Schoul ugefaangen hunn, ginn am Foyer Scolaire weidergefouert. D’Kanner sinn oft ëmmer mat deenen nämlëchten anere Kanner zesummen. Bessen Distanz géing hinnen awer och gutt doen.
    Bei Jugendlechen denken ech, sinn déi sozial Medien och u Villem Schold… do streiden déi Jonk dann iwwer Facebook weider… oft gëtt de Smartphone och als Babysitter benotzt, och schons bei klenge Kanner, dat kann een iwwerall observéieren.
    Am Allgemengen fannen ech, dass de Respekt an d’Manéieren an all Domän ufänken, staark nozeloossen, an dat schon zënter Laangem. D’Basis muss do awer am Elterenhaus geluecht ginn. Natierlech geet dat och nëmmen, wann d’Elteren Zäit hunn. An wann se déi Zäit hunn – et ginn jo och nach e wéineg privilégéiert Leit, och wann et der net vill sinn – dann mussen se déi Zäit och verwenden, fir hire Kanner déi elementar Liewensregelen bäizebrengen, an hinnen se och selwer virliewen…
    Leider gesinn ech a mengem Ëmfeld vill Familljen, déi tatsächlech mussen schaffen, vir iwwer d’Ronnen ze kommen – a wann se dann Zäit hätten, de WE zum Beispill – dann verbréngen se déi awer net sënnvoll mat hire Kanner. D’Kanner ginn virun déi sozial Medien « geparkt » vir dass d’Elteren hier Rou hunn… mam Argument, dass si jo d’ganz Woch schaffen an hir Fräizäit och verdéngt hunn asw.
    Ech denken dohier, dass all d’Problemer zimlech zesummen hänken.

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  • 5 janvier 2018 à 11 h 40 min
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    D’Mammen mussen hir Kanner erëm zu hirer éischter Prioritéit machen. Kommt mer fänken erëm un, eis Kanner selwer ze erzéien, mer backen e besse mi kleng Bréidecher a mer gin eise Kanner Léift an Zäit. Géifen der vill dat an Zukunft machen, da misst de Staat dodrop réagéieren, aplaz datt mer schéin alleguer dem Staat säi Spillche matmachen.

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